Bezirke
Navigation:
am 12. September 2017

Linie 71 soll nach Kaiserebersdorf fahren

Andreas Fritsch - Kürzlich wurde bekannt, dass die Straßenbahn-Anbindung von Kaiserebersdorf verändert werden soll. Wir werfen einen näheren Blick auf diese eher überraschende Entscheidung.

Was soll sich ändern?

Die Linie 6, die bisher Kaiserebersdorf bedient und störungsanfällig ist, soll auf die Strecke Burggasse-Enkplatz verkürzt werden. Im Gegenzug wird die Linie 71 wieder (so wie schon bis Dezember 2012) bis Kaiserebersdorf verkehren. Zusätzlich wird eine neue Straßenbahnlinie zwischen Enkplatz, Grillgasse und Kaiserebersdorf geschaffen, um den 71er in diesem Abschnitt zu verstärken.

Wann kommt die Änderung?

Laut Medienberichten könnte es nach Umbauarbeiten im 2. Halbjahr 2018 soweit sein. Die SPÖ Simmering hatte allerdings bereits vor der Gemeinderatswahl eine Verlängerung des 71ers als fix angekündigt , die nachher nicht umgesetzt wurde. Ob die jetzige Ankündigung in Zusammenhang mit der Nationalratswahl steht, bleibt dahingestellt.

Warum haben die Wiener Linien ihre Haltung geändert?

Die Grünen Simmering sowie einige andere Parteien weisen schon seit längerer Zeit erfolglos auf die Verspätungen und unregelmäßigen Intervalle bei der Linie 6 hin. Bisher wurden die Probleme von den Wiener Linien großteils bestritten, im Jänner bezeichnete deren Sprecher den 6er noch als eine der „pünktlichsten und am besten funktionierenden Linien in Wien“​ . Sonderbar mutet auch an, dass diese Änderungen ohne vorherige Einbindung der Bezirksvorstehung verkündet wurden und der Simmeringer Bezirksvorsteher zuvor monatelang keinen Termin bei der zuständigen Stadträtin Ulli Sima bekam.

Welche Umbauten sind notwendig?

Da auch die neue Linie die bestehende Strecke zwischen Enkplatz und Kaiserebersdorf benutzt, sind hier keine Änderungen notwendig. Allerdings sollen die Schleifen in der Grillgasse und in Kaiserebersdorf umgebaut werden. Insbesondere beim Enkplatz/Grillgasse ist dies notwendig, da derzeit dort auch die Autobuslinie 15A ihre Endstation hat. In Zukunft werden dort zwei Straßenbahnlinien umdrehen, der 6er und die neue Linie zwischen Enkplatz und Kaiserebersdorf. Die Gesamtkosten werden von den Wiener Linien mit 2 Mio. Euro angegeben.

Wie soll die neue Straßenbahnlinie heißen?

Die Liniennummer steht noch nicht fest, sie soll angeblich in einem Online-Voting ermittelt werden. Es gibt allerdings in Wien ein Nummernsystem, welches alle Linien vom Ring beginnend gegen den Uhrzeigersinn bezeichnet. Daher wäre es für die Fahrgäste logisch, eine Nummer aus der Gruppe 72-79 zu wählen, anstatt mittels einer PR-Aktion ein willkürliches Liniensignal zu bestimmen.

Gibt es nur Verbesserungen?

Pauschal kann man das nicht  behaupten. Die Linie 6 verliert ihre Verknüpfung mit der S-Bahn und Buslinien in Simmering. Der 71er ist auf Grund seiner Streckenlänge und des dichten Verkehrs am Ring ebenso anfällig für Verspätungen.

Bezüglich Barrierefreiheit droht ein Rückschritt: Am 6er sind derzeit in der Hauptverkehrszeit ca. 60% Niederflurzüge unterwegs, am 71er sind es nur ein Drittel. Am Wochenende betragen die Wartezeiten auf das nächste Niederflurfahrzeug bis zu 30 Minuten, während am 6er alle Züge barrierefrei sind. Da auch die neue Straßenbahnlinie voraussichtlich in der Remise Simmering beheimatet sein wird, wird es auch hier kurzfristig keine Verbesserungen geben. Wie eine Anfrage der Grünen Simmering gezeigt hat, sind mehr Niederflurstraßenbahnen erst nach Umbauarbeiten in der Remise ab Ende 2019 möglich.