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am 26. Februar 2017

Leberberg: Straßenbahn muss besser werden

Andreas Fritsch - Es braucht dringend eine Lösung für die Straßenbahn zum Leberberg. Der derzeitige Betrieb der 6er ist störungsanfällig und führt immer wieder zu langen Wartezeiten von bis zu 20 Minuten in der Hauptverkehrszeit. Der blaue Bezirksvorsteher versucht seit Monaten erfolglos, einen Termin bei der zuständigen Stadträtin Sima (SPÖ) zu bekommen – ein parteipolitisches Patt auf dem Rücken der Fahrgäste?

Rückblende: Vom 71er zum 6er

Nach der erfolgreichen Neuordnung des Verkehrs am Ring im Jahr 2008 mit den Durchgangslinien 1 und sollte auch der 71er als Linie 4 bis zur Börse geführt werden. Die Simmeringer Bezirksvorstehung (damals SPÖ) sprach sich gegen die Umbenennung und Verlängerung der Linie 71 aus – man befürchtete längere Intervalle und häufige Störungen. Ende 2011 wurde dann ein überraschender Kompromiss gefunden, zu dem sich heute niemand mehr bekennen will: Die Linie 71 wird zur Börse verlängert, dafür übernimmt der 6er die Strecke zwischen Zentralfriedhof und Kaiserebersdorf. Für diese Lösung sprach die hohe Frequenz des 6ers, die nun auch dem Leberberg zu Gute kommen sollte.

Erste Proteste

Schon bald nach der Umstellung im Dezember 2012 werden erste Proteste laut: Auf Grund der langen Strecke des 6ers kommt es häufig zu Störungen, unregelmäßigen Intervallen und überlangen Wartezeiten für die Fahrgäste. Schon im September 2013 fordert selbst die Simmeringer SPÖ: „Mittelfristig wollen wir wieder den 71er nach Kaiserebersdorf“. Nun reagieren auch die Wiener Linien: Es wird eine Verstärkungslinie 72 eingerichtet zwischen Grillgasse und Kaiserebersdorf. Der Erfolg bleibt aber überschaubar, die maximal drei Züge verkehren nur nach Bedarf und bringen kaum Abhilfe. Im März 2014 endet der Betrieb wieder. Seither verweisen die Wiener Linien stets auf die gesetzten Maßnahmen (z.B. Ampelschaltungen), die eine Beschleunigung der Linie 6 ermöglicht und die Störungen reduziert hätten. In einem Artikel der Bezirkszeitung bezeichnete ein Sprecher den 6er unlängst als eine „der am pünktlichsten und am besten funktionierenden Linien Wiens“. Fahrgäste wissen jedoch aus täglicher Erfahrung etwas anderes zu berichten.

Lösungen gesucht

Was kann nun eine Verbesserung der Situation für die Bewohner_innen des Leberbergs bringen? Die naheliegendste Möglichkeit wäre eine Stabilisierung des Betriebs auf der Linie 6. Die dichten Intervalle (3-4 Minuten in der Spitzenzeit am Morgen und Nachmittag) sowie der hohe Anteil an Niederflurgarnituren (2 von 3 Zügen) bieten theoretisch gute Voraussetzungen. Dazu ist jedoch seitens der Wiener Linien einerseits das Erkennen des Missstandes, andererseits Lösungsorientierung erforderlich – beides fehlt bisher.

In der Öffentlichkeit werden auch noch die Verlängerung der Linie 71 bis Kaiserebersdorf zusätzlich zur Linie 6 und eine Verstärkerlinie zwischen Kaiserebersdorf und Grillgasse diskutiert. Erstere Variante wurde auch schon vor der Wien-Wahl 2015 von der SPÖ als „fix“ angekündigt – nach der Wahl war davon nichts mehr zu hören. Dazu müsste die Endstation Zinnergasse ausgebaut werden. Für die neue Verstärkerlinie als zweite Option muss aber (anders als beim 72er) mit mehr Zügen und regelmäßigen Intervallen gefahren werden. Zusätzlich sind Änderungen bei der Schleife Grillgasse erforderlich, weil sich 15A und die Straßenbahn gegenseitig blockieren würden.

Runder Tisch notwendig

Aus unserer Sicht ist ein Runder Tisch und eine Monitoring-Gruppe mit Vertreter_innen des Bezirks, der Wiener Linien unter Einbeziehung von externen Verkehrsexpert_innen notwendig, um die Ist-Situation zweifelsfrei festzustellen und geeignete Maßnahmen fern von parteipolitischen Zwängen zu treffen. Die Simmeringer Öffi-Nutzer_innen haben jedenfalls Besseres verdient als das derzeitige Angebot am 6er und politische Schuldzuweisungen ohne konkrete Ergebnisse.