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am 21. September

Schokoladenfabrik in der Geiselbergstraße vor Zerstörung gerettet

Andreas Fritsch - Investoren planten den Abriss des historischen Gebäudes, bevor das Eingreifen der rot-grünen Stadtregierung die Wende brachte.

Kein Denkmalschutz für historische Fabrik

Vielen Simmeringer*innen ist es ein Begriff: Das 1905 erbaute historische Backsteingebäude in der Geiselbergstraße 26-32 diente einst als Schokoladenfabrik für die Firma Viktor Schmidt & Söhne. Dort
wurden auch die Ildefonso-Nougatwürfel hergestellt, bevor die Produktion in den 1990er Jahren stillgelegt wurde. Danach wurde das markante Gebäude als „Alpha Factory Business Center“ für Büros
(AMS…) genutzt.

2017 werden Pläne einer Investorengruppe bekannt, dass Areal für eine Wohnhausanlage zu nutzen und sämtliche Bestandsgebäude einschließlich des Backsteinbaus abzutragen. Dies wäre möglich gewesen, da kein Denkmalschutz vorhanden war. Das Bundesdenkmalamt prüfte einen Schutz bereits im Jahr 2006, sah
allerdings auf Grund der massiven Umbauten im Gebäudeinneren die Kriterien als nicht erfüllt an.

Die Grünen Simmering brachten als erste Fraktion das Thema in der Bezirksvertretung zur Sprache: In einer Anfrage an Bezirksvorsteher Stadler im September 2017 erkundigten wir uns nach dem Stand der Dinge. Der Bezirksvorsteher berichtete, dass er das Gespräch mit den Projektbetreibern gesucht hatte, aber leider erfolglos blieb. Diese beharrten auf ihren Abrissplänen, womit ein Symbol gründerzeitlicher
Industriearchitektur in Simmering verschwunden wäre.


Rettung in letzter Sekunde dank neuer Bauordnung

Im Frühjahr 2018 wurden die letzten Mieter (Apotheke, Tanzschule Mikl) abgesiedelt und die Bagger fuhren auf. Während schon Teile der Rückseite der Schokoladenfabrik demoliert wurden, kam quasi in
letzter Sekunde die Wende:

Die von der Stadtregierung beschlossene Novelle zur Wiener Bauordnung brachte einen deutlich verbesserten Schutz von Altbauten: Diese dürfen nur mehr dann abgerissen werden, wenn sie historisch bzw. architektonisch nicht von Bedeutung sind. Die Baupolizei verfügte einen sofortigen Baustopp, das Gebäude wurde als erhaltungswürdig eingestuft.


Projekt umgeplant, Fabrik bleibt erhalten

Während es zunächst nach einem langwierigen Rechtsstreit zwischen dem Projektbetreiber und den Behörden aussah und die Baustelle brach lag, kam dieses Jahr dann das Einlenken: Die Investoren ließen das Projekt umplanen und bezogen die Schokoladenfabrik nun den neuen Baukörper ein. Entsprechende Visualisierungen sind auf der Projekt-Website des „Wohngartens“ nun ersichtlich. Insgesamt sollen auf dem Areal ca. 680 freifinanzierte Mietwohnungen entstehen. Der Kindergarten im rückwärtigen Teil bleibt erhalten. Wie die Geschichte zeigt, sind die (oft kritisierten) gesetzlichen Schranken zum Schutz des Kulturguts unbedingt notwendig, da „der Markt“ solche Dinge eben nicht von selbst regelt. Die Bewohner*innen Simmerings können sich jedenfalls freuen, dass ein Zeugnis der Industrieära des 19. Jahrhunderts weiterhin als vertrauter Blickfang auf der Geiselbergstraße bleibt.