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am 10. November 2017

Silvester 2017 am 13. November

Verena Kroboth - Warum Simmerings Frauen schon am 13. November Silvester feiern sollten. Warum der Equal Pay Day nicht das Gleiche ist, wie der Welttag der Minzschokolade und was es braucht, damit der Equal Pay Day nicht mehr stattfinden muss.

Der Equal Pay … was???

Der Equal Pay Day (EPD) ist jener Tag, ab dem Frauen aufgrund des Einkommensunterschiedes zu Männern gratis arbeiten. Anders ausgedrückt: Aus den Zahlen der Lohnsteuerstatistik ergibt sich, dass Männer an diesem Tag jenes Einkommen erhalten haben, für das Frauen bis zum Jahresende arbeiten müssen. Teilzeitarbeit, befristete Arbeit, prekäre Arbeitsverhältnisse sind in dieser Statistik nicht enthalten. Sie sind jedoch Realität für die Mehrheit der weiblichen Beschäftigten. Aktive Arbeitsmarktpolitik und eine bessere soziale und finanzielle Absicherung für atypisch Beschäftigte sind das Gebot der Stunde. In Simmering ist der EPS der 13. November, jener Tag, an dem Frauen eigentlich bereits den „Einkommens-Jahreswechsel“ feiern könnten. Leider. Denn noch immer (im Jahr 2017!!!) ist es so, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts anders erzogen werden, in der Schule mehr leisten müssen, andere berufliche Laufbahnen (oft Berufe in Branchen mit schlechter Bezahlung laut Kollektivvertrag, z.B. im Handel, Dienstleistungen) einschlagen und dadurch auch weniger in Führungspositionen vertreten sind. Und selbst dann, wenn eine Frau in der gleichen Position ist wie ein Mann, also die gleiche Arbeit leistet, wird sie schlechter bezahlt. Das ist diskriminierend und darauf weist der Equal Pay Day hin.​​

Der Tag der Minzschokolade und der EPD

​Der Equal Pay Day ist ein Aktionstag, der Bewusstsein schaffen soll. Ob man Minzschokolade isst oder nicht, kann jede/r für sich selbst entscheiden. Dass frau aufgrund ihres Geschlechts weniger verdient, hat sie sich nicht selbst ausgesucht. Das ist der feine Unterschied. Dieser Unterschied ist ein trauriger. Denn es ist ungerecht und diskriminierend, dass Frauen strukturell benachteiligt werden. Das muss sich ändern. Welche Lösungsvorschläge wir dafür haben, dazu kommen wir noch.

Simmering und der EPD – der Schein trügt

Für Gesamt-Wien war der EPD am 30.Oktober. Der Wiener EPD hat sich in den letzten Jahren – aufgrund erfolgreicher Frauenpolitik der Stadt – immer weiter Richtung Jahresende verschoben (in anderen Bundesländern arbeiten Frauen viel länger gratis, der EPD ist früher). In Simmering ist der EPD später, nämlich am 13. November. Das bedeutet nicht, dass hier der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen geringer ist! Vielmehr ist es so, dass in unserem Bezirk beide Geschlechter weniger verdienen. Während das Jahresnettoeinkommen aus unselbständiger Beschäftigung von Männern UND Frauen in Wien durchschnittlich bei 21.143 € liegt [1], beträgt dieses im 11. Bezirk 19.489 € [2]. In Simmering verdienen Frauen um ganze 19% weniger als Männer!​​​

Damit sich die Einkommensschere schließt fordern wir:

Einkommen zum Auskommen:

  • Gesetzlicher Mindestlohn brutto 1.750,- Euro
  • Mehrarbeit - Zuschläge wie bei Überstunden
  • Sozial-, Gesundheits- und Pflegeberufe aufwerten
  • Bessere Kollektivverträge für frauendominierte Berufe
  • Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden

Unternehmen in Verantwortung nehmen: Koppelung der öffentlichen Auftragsvergabe an Frauenförderung

Finanzielle und soziale Sicherheit für atypisch Beschäftigte

Frauen müssen gleichermaßen (50%) in den Gremien der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vertreten sein

In der Schule beginnt ́s: Unterricht und Berufsberatung gerecht gestalten

Recht auf einen kostenlosen Krippenplatz ab dem 1. Geburtstag des Kindes

Grünes Pensionsmodell einführen: Grundpension und Erwerbspension

Ein eigenes Frauenministerium​​

[1] Magistrat der Stadt Wien – MA 23 Wirtschaft, Arbeit und Statistik (Hg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 2016. Wien: MA 23, 2016. S. 277.​

[2] Ebda. S. 300.​