Bezirke
Navigation:
am 12. Mai

Die Vorläufigen. Die Nachgeborenen. Und wir Heutigen.

Wolfgang Kauders - Eine Lesung aus "Genia" mit Robert Schindel am Donnerstag, 24. Mai 2018 um 19:00 im Klublokal der Grünen Simmering (Gottschalkgasse 11).

Der Lyriker und Romanautor Robert Schindel liest aus seinem in Arbeit befindlichen Roman "Genia oder Eine lichte Zukunft", erzählt über die Widerstandskämpferin Gerty Schindel und läßt sich befragen über "Die Tage der Kommune Wien" (1967/68), die von ihm und anderen gegründete autonome Gruppierung, welche den Wiener Mai 1968 einläutete.

Wann: Donnerstag, 24. Mai 2018 um 19 Uhr

Wo: Am "Gerti-Schindel-Platz" im Lokal der Simmeringer Grünen, Gottschalkgasse 11, 1110 Wien


Die Lesung

“Die Vorläufigen“ – so nennt der Lyriker und Romanautor Robert Schindel seine Trilogie, von denen „Gebürtig“ und „Der Kalte“ bereits erschienen sind und großen Widerhall gefunden haben. Der dritte im Entstehen begriffene Teil „Genia oder Eine lichte Zukunft" setzt sich mit der Generation seiner Mutter Gerty Schindel auseinander. Eine Generation, von der viele ihrer Angehörigen zwischen Faschismus, Nationalsozialismus und dem stalinistischen Kommunismus zerrieben wurden.​ Am Schicksal der kommunistischen Widerstandskämpferin Genia, welches in vielem jenem von Robert Schindels Mutter ähnelt, werden die schwierigen Entscheidungen in jenen finsteren „Zeiten, wo Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“, wie Bertolt Brecht in „An die Nachgeborenen“ schreibt, nachgezeichnet und versucht, sie für uns Heutigen zu erschließen.

Robert Schindel wird darüber erzählen, sich befragen lassen und aus dem Manuskript vorlesen.​​

Das Gespräch

Im zweiten Teil des Abends soll ein Gespräch über "Die Tage der Kommune Wien" Einblicke in die Entstehungsgeschichte dieser autonomen Gruppierung geben, welche im Herbst 1967 von Robert Schindel mit anderen gegründet wurde und auf ganz spezifische Weise den Wiener Mai 1968 einläutete. Wer diese Menschen waren, woher sie kamen und in welchem Umfeld sie sich bewegten. Natürlich werden auch ihre Aktionen zur Sprache kommen und die politischen, philosophischen und - für eine politische Organisation nicht selbstverständlich - ihre literatischen Bezüge thematisiert werden.​

Der Hintergrund

Dass diese Veranstaltung in Simmering und bei den Simmeringer Grünen stattfindet, hat einen besonderen Grund:

2012 haben die Simmeringer Grünen am „Internationalen Tag der Frau“ im Rahmen der „Aktion namenlose Plätze“ einen Platz vor dem Gasometer im 11. Bezirk als „Gerti Schindel Platz“ benannt​.​

Und im Zuge der Besiedlung des neuen Grünen Lokals in der Gottschalkgasse wurden verschiedene Ecken und Enden mit Straßenschildern versehen, auf denen die Namen von österreichischen Widerstandskämpferinnen stehen. Somit gibt es auch im Versammlungsraum dieses Lokals einen „Gerti-Schindel-Platz“.

Da sich ihr Todestag im März dieses Jahres zum 10. Mal jährte, und „1968“, zu dem Robert Schindel einiges zu sagen hat, zum 50. Mal, lag es für uns nahe, die Erinnerung an Gerty Schindel wach zu halten und mit dem Widerhall dieser Generation auf die 68er zu verbinden. Wir wollen nicht nur die damaligen Ereignisse und die damit verbundenen Ideen ansprechen, sondern auch einen Diskurs zwischen den Generationen ermöglichen, das Gespräch zwischen den "Vorläufigen",​ den „Nachgeborenen“, die ihrerseits  bereits Nachgeborene haben und den „Heutigen“, für die vielleicht gilt, was in dem alten Lied aus den Bauernkriegen gesungen wurde „Unsre Enkel fechtens besser aus. Heia oho!“​