Hinweistafel für Werk von Nazi-Bildhauer in Simmering

Ein Gemeindebau wird von einem Relief von Wilhelm Frass geschmückt, der eine maßgebende Rolle im NS-Kulturbetrieb spielte. Eine Hinweistafel über die Hintergründe ist überfällig

Kunstwerk am Wilhelm-Weber-Hof

An der Ecke Rinnböckstraße/Molitorgasse ist am Gemeindebau „Wilhelm-Weber-Hof“ unübersehbar und drei Geschoße hoch das Steinzeugrelief „Bauhandwerker“ als symbolische Darstellung des Wohnungsbaus mit folgender Inschrift angebracht:

 „Der Planer Sinn, der Arme Kraft vermögen zwiefach sich zu lohnen, denn dort, wo man uns Arbeit schafft, könnt ihr mit euren Kindern wohnen.“ 

Der Erschaffer dieses Kunstwerks aus dem Jahr 1953 ist Wilhelm Frass.

Illegaler Nazi und NS-Kunst-Funktionär

Wilhelm Frass (1886-1968) war schon zur Zeit des „Ständestaats“ illegaler Nazi gewesen und schuf vor allem Kriegerdenkmäler. Unter dem Denkmal des „Toten Soldaten“ in der Krypta beim Burgtor schmuggelte er ein in einer Kapsel befindliches Bekenntnis zum „Anschluss“, dessen er sich 1938 in einem Gespräch mit dem „Völkischen Beobachter“ sogar rühmte. Im Jahr 2012 wurde dieses Schreiben tatsächlich freigelegt. Als Leiter der Hochschulklasse der Kunst- und Modeschule der Stadt Wien sowie als Sachbearbeiter für Bildhauerkunst im Kulturamt der Stadt Wien konnte er „einschlägig tätig werden“.

Er erhielt Großaufträge für Anschlussdenkmäler, Hitlerbüsten und das NS-Regime verherrlichende Skulpturen. Nach Kriegsbeginn war er intensiv für die Entfernung von Denkmälern aus dem Stadtbild zuständig, welche Arbeiten jüdischer Bildhauer:innen oder solche zur Würdigung von Anhänger:innen der Sozialdemokratie oder des „Ständestaats“ sowie Menschen jüdischer Herkunft betrafen. So wurde zum Beispiel das Lessing-Denkmal am Judenplatz 1939 entfernt [1].

Zu Kriegsende 1944 zählte Frass als „Künstler im Kriegseinsatz“ zu der sogenannten Gottbegnadeten-Liste, welche von Wehrdienst oder Arbeit in einem Rüstungsbetrieb verschonte [2]. Neben Rudolf Eisenmenger fand Frass damit auch Aufnahme in eine aktuelle Ausstellung des Deutschen Historischen Museums in Berlin [3].

Seine Karriere nach 1945 verlief typisch österreichisch [4]: Ermittlungen und ein Verfahren auf Berufssperre wurden eingestellt, stattdessen Amnestie für Minderbelastete und Rückkehr in Secession und Künstlerhaus. Zahlreiche öffentliche Aufträge und hohe Auszeichnungen folgten. Frass ist am Wiener Zentralfriedhof bestattet, die Widmung seines Grabes „ehrenhalber auf Friedhofsdauer“ wurde bereits 2012 von der Stadt Wien aberkannt.

Grüner Antrag auf Hinweistafel

Es mutet besonders seltsam an, dass ein Werk von Frass kommentarlos jenen Gemeindebau schmückt, der nach Wilhelm Weber benannt ist, einem Sozialdemokraten, der ab 1934 in der Illegalität wirkte. Eine gut sichtbare Hinweistafel mit Bezug auf die Biografie von Wilhelm Frass, so wie sich auch bei einer anderen Plastik in Floridsdorf [5] befindet, sollte selbstverständlich sein. 

Die Grünen Simmering werden daher in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung einen entsprechenden Antrag einbringen.

Verweise & Quellen

Tipp: Ausstellung „Auf Linie – NS-Kunstpolitik in Wien“ im Wien Museum MUSA, Felderstraße 6-8, bis 24.4.2022.

​[1] Holzschuh, I. und Plakolm-Forsthuber, S.: „Auf Linie – NS-Kunstpolitik in Wien. Die Reichskammer der bildenden Künste“, Ausstellungskatalog, Wien Museum, 2021

[2] Panholzer-Hehenberger, S.: „Das Menschenbild in der Skulptur in Österreich zwischen 1938 und 1945“, Diplomarbeit Universität Wien, 2008

[3] Deutsches Historisches Museum, Die Liste der „Gottbegnadeten“. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik, Berlin 2021

[4] Schmidt, K.: „Heil Hitler! Wilhelm Frass“, Wiener Zeitung, 2012 (https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wissen/geschichte/498343_Heil-Hitler-Wilhelm-Frass.html)

[5] https://floridsdorf.gruene.at/themen/kultur/endlich-hinweistafel-auf-werken-von-nazi-bildhauer-frass-in-floridsdorf

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