Hitzeschutz an Schulen – weiter schwitzen?

Die Hitze hatte diesen Sommer verheerende Auswirkungen auf den Schulbetrieb: Sinnvoller Unterricht bei Hitzewellen ist kaum mehr möglich. In manchen Klassenzimmern hat es nun oftmals schon im Mai und Juni um 8:00 Uhr in der Früh gemessene 30 Grad. Das Austrian Institute of Technology zeigte erst kürzlich auf, dass sich seit der Klimaperiode 1961 bis 1990 die Hitzetage in Wien von durchschnittlich zehn auf rund 30 pro Jahr verdreifacht haben. Besonders gravierend für Bildungseinrichtungen ist, dass die Zahl der Hitzetage gerade in den Monaten Mai, Juni und September deutlich zunimmt. Mehr als 70% der Schüler:innen gaben an, an Hitzetagen unter Konzentrationsschwierigkeiten zu leiden und dem Unterricht nicht mehr ordentlich folgen zu können. Die kognitive Leistung und der Lernerfolg leiden also massiv unter überhitzten Klassenzimmern.
Eltern für Kühlung verantwortlich?
Die Ausstattung und Erhaltung der Schulen ist unmittelbare Aufgabe der Bezirke. Die Grünen Simmering hatten daher in der Bezirksvertretungssitzung am 16.09.2026 eine umfangreiche Anfrage an den Bezirksvorsteher zum Hitzeschutz an den Simmeringer Pflichtschulen gestellt. Auf die schriftliche Antwort darf man gespannt sein.
Indes berichtet die Bezirkszeitung von einem bisher öffentlich nicht bekannten Rundschreiben der Bildungsdirektion über neue Regeln für technische Geräte. Bisher waren Stand- und Deckenventilatoren sowie mobile Klimageräte de facto verboten. Die zuständige Magistratsabteilung MA56 verwies noch im Juni 2026 auf sicherheits- und brandschutztechnischen Anforderungen:
„Mobile Klimageräte etwa erzeugen eine zusätzliche Brandlast, können Fluchtwege einschränken, ihr Betrieb erfordert eine Abluftführung über geöffnete Fenster, was im laufenden Unterricht nicht umsetzbar ist, und sie verursachen einen Lärmpegel, der den Schulbetrieb beeinträchtigen kann.“ (Quelle: heute.at)
Nun hat man in der MA56 offenbar umgedacht: Ab dem kommenden Schuljahr wird der Ankauf von Ventilatoren im Rahmen der bestehenden finanziellen Mittel ermöglicht. Außerdem werden mobile Klimageräte in Klassenräumen erlaubt. Für letztere gibt es allerdings kein Geld aus dem Zentralbudget, nur Sponsorings z.B. über Elternvereine kommen in Frage.
Neben dem fragwürdigem Nutzen von mobilen Klimageräten aus Gründen der Energieeffizienz, Stromkosten und Geräuschentwicklung ist es vor allem ein Umstand, der verblüfft: Ähnlich wie bei der Sicherheit vor Schulen, wo Eltern selbst für Schulstraßen zuständig sind, schiebt auch hier die Stadt Wien die Verantwortung für das Wohlbefinden der Kinder auf die Eltern ab: Schulen mit zahlungskräftigen Eltern(vereinen) werden in Zukunft wohl gekühlte Klassenräume haben, während woanders weiterhin geschwitzt werden muss. So wird die soziale Schieflage in den Schulen fortgeschrieben.
Können wir uns das leisten?
Nun mag man den Einwand erheben, dass in Zeiten knapper Budgets die Aufgabe einer umfassenden Kühlung von Schulen für die öffentliche Hand unmöglich zu stemmen ist. Doch das Geld ist nicht einfach weg, es ist nur woanders. Das ist die Folge von politischen Entscheidungen:
- Stadtstraße: 500 Mio Euro
- Eventarena St. Marx: 215 Mio. Euro Zuschuss, obwohl ursprünglich kein Steuergeld verwendet werden sollte
- Fernbus-Terminal: min. 100 Mio. Euro über eine Tochterfirma der Stadt
- Fußballstadion Austria Wien: 40 Mio Euro
- U2/U5-Ausbau (beide Baustufen): 6,45 Mrd, das Dreifache von dem, was ursprünglich veranschlagt war.
- Cobenzl: fast 18 Millionen Euro für den privaten Betreiber eines Lokals.
Die Ausstattung von Schulen und der damit verbundene Lernerfolg von Kindern muss also nicht an fehlenden Geldmitteln scheitern. Es sind bewusste politische Weichenstellungen der Stadtregierung, welche darüber entscheiden. Wir fordern von der Stadt einen Hitzeschutzplan für alle Pflichtschulen, welcher einen Sonnenschutz, Begrünung, thermische Sanierungen und auch die langfristige Realisierung von aktiven Kühlmaßnahmen in allen Schulen umfasst. Klar ist jedoch: Der beste Hitzeschutz bleibt weiterhin der Klimaschutz.